zum Seiteninhalt zur Navigation

IGS Schöppenstedt genehmigt - Offener Brief an die Landrätin

2017-05-04

Sehr geehrte Frau Landrätin!

Die magische Zahl heißt 72. So steht es in dem Papier des Niedersächsischen Kultusministeriums "Errichtung von Integrierten Gesamtschulen im Land Niedersachsen; Hinweise für Schulträger".

Demnach müssen "neue Integrierte Gesamtschulen langfristig (d.h. mind. 10 Jahre lang) eine Mindestgröße von vier Zügen erreichen." Es ist von einer Schülerzahl von 24 pro Klasse auszugehen, sodass also mindestens 96 Schülerinnen und Schüler je Schuljahrgang benötigt werden. Aufgrund "pädagogischer Überlegungen" ist die Vierzügigkeit der „Normalfall“ bei der Mindestzügigkeit.

Aber es werden auch Ausnahmen definiert:

"Im Ausnahmefall darf eine Gesamtschule dreizügig geführt werden, wenn 1. sie vor dem 1. August 2013 errichtet wurde, 2. eine andere Gesamtschule für Schülerinnen und Schüler unter zumutbaren Bedingungen nicht erreichbar ist oder 3. sie die einzige Schule im Sekundarbereich I im Schulstandort ist"

Mit Blick auf die IGS Schöppenstedt muss man folgendes konstatieren:

1. Keine Errichtung vor dem 1. August 2013 2. Zwei andere Gesamtschulen sind im Landkreis erreichbar. Da die Schulen auch bisher von Eltern aus dem Schöppenstedter Raum angewählt wurden, waren sie offensichtlich auch unter zumutbaren Bedingungen erreichbar. 3. Schulträger ist der Landkreis Wolfenbüttel, nicht die Samtgemeinde Elm-Asse. Es gibt also am Schulstandort bereits weitere weiterführende Schulen, nicht nur die beiden Gesamtschulen in Wolfenbüttel, sondern auch die Haupt- und Realschulen der anderen Samtgemeinden.

Schon aus diesen Gründen hätte eine IGS Schöppenstedt weder geplant noch genehmigt werden dürfen.

Aber es kommt noch besser:

"Die Dreizügigkeit ist vom Gesetzgeber bewusst als Ausnahmeregelung konzipiert worden und setzt mindestens 72 Schülerinnen und Schüler voraus."

Zweiundsiebzig. Nicht 69 oder 70.

Wenn sich Behörden des Landes nicht an ihre eigenen Vorgaben halten, wer dann?

Der Landkreis selbst hat aufgrund einer Einwohnerfrage während der Kreistagssitzung am 13. März 2017 versichert, "dass bei 71 Anmeldungen die IGS Schöppenstedt nicht an den Start gehen werde." Nachzulesen im Protokoll der Sitzung auf Seite 7.

Wenn man den Zusagen einer Landkreisverwaltung nicht glauben kann, wem dann?

Die Landesschulbehörde hatte zwischenzeitlich eine Entscheidung zum Anmeldeverfahren getroffen, die allen Kindern im Landkreis gleiche Chancen auf eine Platz an Ihrer Wunsch-IGS eingeräumt hätte. Was soll man davon halten, wenn nach Rücksprache der Landrätin mit dem Kultusministerium diese Anordnung zurückgenommen wird? Sind manche Kinder gleicher als andere?

Und die Auswirkungen?

Wir bekommen mit Ach und Krach eine neue, dreizügige IGS. Der erste Jahrgang wird mit Sicherheit kein Abitur an dieser Schule machen können, denn für die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe werden mindestens 54 Schülerinnen und Schüler vorausgesetzt. Aber vielleicht klappt das ja auch mit weniger, man muss sich ja nicht an Vorgaben halten.

Die Henriette-Breymann-Gesamtschule konnte nur 103 Anmeldungen verbuchen. Eine bisher konstant fünfzügige Schule, die noch im Aufbau ist, die 2018 mit der Oberstufe starten will.

Warum legt der Landkreis seiner eigenen Schule Steine in den Weg?

Aus Sicht des Kreiselternratvorstands wurde hier keine Schulentwicklungsplanung betrieben, sondern eine Schulzersiedelung, zu Gunsten einiger, zu Lasten vieler. Nicht nur zu Lasten der "Denkter Eltern", sondern auch zu Lasten der etwa 750 Schülerinnen und Schüler, die bereits die HBG besuchen.

Ihre Devise lautet: "Annähernd gleiche Lebensbedingungen für alle im Landkreis." Mittelmaß überall - statt attraktiver Angebote.

Mit freundlichem Gruß
Vorstand des Kreiselternrates Wolfenbüttel


zur Navigation zum Seiteninhalt

E-Mail an Webmaster